Chefchaouen

Die letzten Meter in Europa
Die letzten Meter in Europa

 

Fähre fahren ist ja eine Sache, die ich mag! Allein deswegen schon freute ich mich, als es endlich aufs Schiff ging, fand es dagegen zuerst etwas schade, dass wir die Schnellfähre genommen haben, da uns dadurch weniger Zeit auf dem Wasser blieb. Erstmal rückwärts einparken auf der Fähre, auch ungewohnt. Aber mit Oma Duck definitiv einfacher als mit einem 40tonner. Ich hätte mit den Jungs da nicht tauschen wollen!

Blick durch das dreckige Fenster zurück
Blick durch das dreckige Fenster zurück

 

 

Auf der Fähre als erstes mal in die Zollschlange stellen und den Stempel im Reisepass abholen. Yeah, damit bin ich zumindest offiziell schon mal eingereist! Ansonsten war die Fahrt eher unspannend, da die Schnellfähre kein offenes Deck hat und wir nur von drinnen durch dreckige Scheiben den europäischen Kontinent hinter uns verschwinden sehen konnten.

Einmal aus der Fähre rausgefahren wurde es dann spannend. Aber am Ende hat nur ein Beamter mal kurz hinten ins Auto gucken wollen, ob sich noch weitere Personen drinnen aufhalten. Der Rest war reine Bürokratie, wenn auch etwas verwirrend. Am Ende waren wir alle durch, hatten Zolldokumente für die Autos und mussten nix abgeben.

Mal wieder Berge. Diesmal nordafrikanische.
Mal wieder Berge. Diesmal nordafrikanische.

Nach einem gemeinsamen (2.) Frühstück noch auf dem Hafengelände von Tanger Med haben wir die Fahrzeugreihenfolge ausgelost. Oma Duck fährt vor. Schon etwas aufregend, das erste Mal in Afrika mit dem Bus unterwegs! Aber erstmal sieht es ja auch alles noch recht europäisch aus. Nur, dass ständig und überall, egal ob im Dorf oder auf freier Strecke, überall Menschen am Straßenrand stehen ist ungewohnt. Einige warten auf jemanden, andere machen Zeichen, dass sie dir was verkaufen wollen, wieder andere versuchen wohl zu trampen und viele sind einfach nur da. Muss ich noch rauskriegen, wie das hier alles funktioniert! Als wir die Küste erstmal hinter uns gelassen haben, wurde es auch wirklich schön! Richtig anständige Berge gab´s zu sehen. Nicht, dass ich nicht in letzter Zeit genug Berge hatte, aber die sind ja auch überall irgendwie anders...

Campingplatz in Chefchaouen
Campingplatz in Chefchaouen

 

Nach guten 120km, was schon eine ganze Weile gedauert hat und Knochen und Konzentration gut beansprucht hat, sind wir dann grob zum Sonnenuntergang auf dem Campingplatz in Chefchaouen angekommen. Und ein Campingplatz ist wohl hier oben auf jeden Fall zu empfehlen, grade auch zum erstmal akklimatisieren. Die erste Nacht war herrlich! Sehr gut geschlafen und nun erholt zum Frühstück und dann wohl mal die Stadt angucken gehen.

Alles schön in Schwimmbadblau
Alles schön in Schwimmbadblau

 

Zur Stadt geht es runter. Ziemlich runter. Eine lange, relativ blöd zu laufende Treppe. Unten wurden wir sofort von den kleinen Gassen der Medina, der Altstadt, verschluckt. Chefchaouen wird auch als blaue Stadt bezeichnet, da blau wirklich die vorherrschende Farbe an den Häusern ist. Sehr hübsch, auch wenn es mich immer ziemlich an Schwimmbad erinnert.

 

in der Medina
in der Medina

 

Sich in der Medina zurechtzufinden ist so leicht nicht und braucht sicherlich einiges an Übung, obwohl die hier noch relativ klein ist. Aber überall in den Gassen Händler, die ihre Ware anbieten, alles voll Menschen, reichlich Gewusel überall. Und ständig wird man angesprochen, ab und an um einen in ein Restaurant zu locken, meist aber um Hasch zu verkaufen. Immerhin kommt von hier das meiste Haschisch Europas. Und eine Gruppe Nichtraucher, in der einer auch noch Dreadlocks hat, ist wohl schon ziemlich ungewöhnlich bis unglaubwürdig. Trotzdem kommen sie mit uns nun mal einfach nicht ins Geschäft.

Der Rest der Reisegruppe am Aussichtspunkt über der Stadt
Der Rest der Reisegruppe am Aussichtspunkt über der Stadt

Wir ließen uns einfach eine Weile durch die Stadt treiben und als wir irgendwann abends die fiese Treppe wieder rauf sind, trafen wir dann auch auf Freund Kalle, der die Stadt schon lange kennt und uns so einiges erzählen und zeigen kann.

Den Tag drauf sollte es sportlich werden. Ich als Konditionsniete unterwegs mit Wanderfanatikern... Wenn das mal gut geht! Aber ich will ja auch was sehen von der Gegend, also rein in die neuen 16 Euro Wanderschuhe und ab, die Piste hoch!

schon ein paar Höhenmeter geschafft
schon ein paar Höhenmeter geschafft

Kurzfassung: Wunderschön, aber auch sauanstrengend! Was eine wahnsinnige Landschaft! Allerdings nach so einigen Kilometern bergauf bin ich dann auch soweit, dass es für den Anfang genug sein soll. Kalle legt mit mir eine längere Pause ein und danach kehren wir um, während die anderen noch den Gipfel erstürmen wollen. Sicherlich auch sehr reizvoll, aber mir für den Anfang einfach zu viel! Den Rückweg nehmen wir dann allerdings nicht die Piste, sondern einen kleinen Pfad quer durch, wodurch die Stecke abwechslungsreicher und wohl auch schneller wird.

 

Unten in der Stadt noch ein kleiner Rundgang, letzte Einkäufe und dann doch noch schnell in ein Restaurant, was futtern. Bohnensuppe gibt’s hier, mit Brot und Oliven und 2 Dips, davon einer tatsächlich Grünkohl! Wer hätte das gedacht, dass es hier Grünkohl gibt? Auf jeden Fall alles zusammen eine sehr leckere, sättigende vegane Mahlzeit für volle 12 Dirham, was so knapp über einem Euro entspricht. Da kann man sich auch mal einen Restaurantbesuch leisten. Als ich dann wieder die fiese Treppe zum Campingplatz hinter mich gebracht habe, waren die Bergsteiger noch nicht da, kamen aber kurz danach. Der Abend wurde kurz, keiner hatte noch viel Energie für irgendwas...

Auf dem Markt
Auf dem Markt

 

 

Heute wollten wir zum Markt und nochmal eine größere Runde durch die Stadt drehen. Nach einem ausgedehnten Frühstück haben wir es auch tatsächlich zum Markt geschafft. Was ein Gewusel.... aber faszinierend! Alles ist auf den Beinen, die Bauern kommen aus den Dörfern mit ihren Erzeugnissen und breiten ihre Waren am Straßenrand aus. Es gibt da nichts, was es nicht gibt! Und definitiv einiges, was es meiner Meinung nach so besser nicht geben sollte. Tiere haben auch in Deutschland ja oft kein leichtes Leben, aber hier ist das alles nochmal anders. Hier sieht man es zumindest offen, bei uns werden „Nutztiere“ ja meist versteckt und hinter verschlossenen Türen gequält. Was da nun besser ist? Für die Tiere nichts, gar nichts!

Morgen früh werden wir die Sachen packen und uns wieder auf den Weg machen. Es juckt in den Fingern, mehr von diesem Land zu sehen! Die grobe Strecke ist beschlossen und so werden wir dann weiterziehen. Der Süden ruft!

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